Clubreise nach Stettin

Im Lionsjahr 2010 / 2011 stand eine zweite Clubreise auf dem Programm. An dem Wochenende 6.-8 Mai machten sich 19 Teilnehmer auf den Weg nach Stettin.

Trotz individueller Anreise mit PKWs schafften es alle, bereits zu unserem Auftakt mit dem Abendessen am Freitag im Hotel zu sein. Lag es vielleicht daran, dass die Entfernung zwischen Potsdam und Stettin nicht so groß ist, wie vorher vom Gefühl her erwartet? Die offene Grenze lässt offenbar den gefühlten Abstand zwischen Polen und Deutschland geringer werden.

Mitten im Grünen und gleichzeitig zentrumsnah gelegen war das Hotel am nächsten Morgen Ausgangspunkt für unseren Stadtrundgang. Bei herrlichem Frühlingswetter führte uns unser Stadtführer als erstes zu den Prachtbauten an der Oder. Die Hakenterrasse mit mehreren monumentalen Bauten zeigt sich nach der Restaurierung wieder in dem ursprünglichen Zustand wie beim Bau zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Verwunderlich ist, dass dieser Teil der Stadt von Bomben im 2. Weltkrieg verschont blieb, während die umliegenden Stadtteile teilweise bis zu 90 % zerstört wurden.  Es wird vermutet – so berichtete unser Stadtführer –, dass die Alliierten diese Gebäude als funktionsfähigen Verwaltungssitz für die Nachkriegszeit vorgesehen hatten.

Der weitere Stadtrundgang führte uns vorbei an zahlreichen Baudenkmälern der unterschiedlichen Epochen schließlich zum Schloss der Pommerschen Herzöge. Der Renaissance-Bau, der fast völlig zerstört war, ist vollständig wieder errichtet. Aber auch die mächtigen gotischen Backsteinkirchen aus der Hansezeit sind zum Teil wieder hergestellt oder noch in der Sanierung.

Nachmittags konnten wir uns bei einem Schiffsausflug einen Eindruck verschaffen von der weitläufigen Wasserlandschaft, die durch die Odermündung entstanden ist. Leider ist der Hafen von Stettin nur noch teilweise bewirtschaftet, er vermittelt aber immer noch ein Bild seiner früheren Bedeutung.

Überall in der Stadt sind Besucher mit dem Thema der Zerstörung und Krieg konfrontiert und da spielt naturgemäß der 2. Weltkrieg eine große Rolle. Auch unser Stadtführer ließ an allen Stationen sein großes Interesse an der neueren Geschichte erkennen, obgleich er erst Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg geboren ist. Bemerkenswert waren seine sachlichen Erklärungen, die noch nicht einmal ansatzweise Vorwürfe spüren ließen, obgleich seine Familie selbst durch Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg gelitten hatte.

Bedrückend war schließlich am Sonntagvormittag der Besuch einer monströsen Bunkeranlage. Eine vierstöckige unterirdische Anlage, die für 2.500 Menschen geplant war, ist heute als museale Einrichtung zu besichtigen. Insgesamt konnten im 2. Weltkrieg mehr als 100.000 Menschen in Bunkern Zuflucht finden. Die meisten davon wurden in der Nachkriegszeit zu angeblich strahlensicheren Bunkern ausgebaut.

Diese Eindrücke gingen dann wieder in eine versöhnliche Stimmung über durch einen entspannten Spaziergang entlang der Oder. Auch wenn einige Teilnehmer daran nicht mehr hatten teilnehmen können, genossen wir als etwas kleinere Gruppe dann noch einmal den wunderbaren Blick über den Hafen bei einem kleinen Imbiss auf der Hakeschen Terrasse.

Aber was wäre eine solche Reise ohne Zeit für Gespräche. An den beiden Abenden und auch tagsüber gab es viele Gelegenheiten für Gespräche unter Lions-Freunden, die alle Teilnehmer ausgiebig genutzt haben, um dann nicht nur mit vielen Eindrücken von der Stadt sondern auch mit vielen Anregungen aus der Lions-Gemeinschaft nach Hause zu fahren.